FORMEX Element: Swiss Made-Chronograph mit sportlicher DNA im Test

FORMEX Element Chronograph (1200.5.8017.311): „Die bezahlbarste High-End Uhr der Welt?“

Los geht’s mit meinem ersten Highlight der FORMEX Element: Das – für einen Chrono in der Preisklasse – extrem aufwendig verarbeitete und sehr hochwertig aussehende Gehäuse mit abwechselnd gebürsteten und polierten Flächen macht einen exzellenten Eindruck:

Formex Gehäusefederung

Formex CHronograph Drücker

Durch das zweigeteilte Edelstahl-Äußere der Element hindurch erhält man einen Blick auf den Container des Chronographen, welcher aus leichtem Titan (Grad 2) besteht und das Gewicht der Uhr trotz der XL-Größe auf recht humane 158 Gramm reduziert:

Formex patentierte Gehäusefederung

Optisch sehr harmonisch wirkt auch die patentierte Gehäusefederung, welche – thematisch passend zur sportlichen Image-Ausrichtung des Herstellers – an Federungen im Renn- und Radsport erinnert. Laut FORMEX soll dieses System den Tragekomfort erhöhen und das Uhrwerk vor Vibrationen und Stößen schützen.

Der Alltagsnutzen dieser Federung, auch für Schreibtischtäter wie mich: Durch die Federung bohrt sich insbesondere beim Beugen des Handgelenks das Gehäuse nicht ganz so unangenehm in den Handrücken, wie das bei anderen Uhren dieser Größe schnell passiert. Die Größe der Element ist zwar mit 46 mm um 0,5 mm gegenüber der TS3100 geschrumpft, das macht sich praktisch aber nicht bemerkbar. Allerdings fallen die Hörner recht steil ab, wodurch das Horn-zu-Horn-Maß der FORMEX Element mit 54 mm noch recht human ist. Hier ein Größenvergleich mit der FORMEX TS3100 (Horn-zu-Horn = 56 mm):

Formex Element vs. TS3100 Chronograph

Dennoch: Auch die FORMEX Element ist ein ganz schöner Klopper und an meinem 19 cm-Handgelenk dadurch optisch grenzwertig. Dank des vergleichsweise humanen Gewichtes und des sehr weichen Lederbandes samt Feineinstellung (hierzu später mehr) ist der Tragekomfort der Element aber in der Summe gut.

FORMEX Swiss Chrono Wrist Shot Size

Die Lünette der FORMEX Element ist aus Zirkonoxid-Keramik. Das klingt ziemlich exklusiv – tatsächlich ist Zirkonoxid-Keramik der meist verwendete Hartstoff in der Uhrenindustrie. IWC nutzte  bereits 1986  als erster Hersteller schwarze Zirkonoxidkeramik für das Gehäuse des Modells Da Vinci (Ref. 3755). Die Herstellung dieses Hartstoffes erfolgt – wer hätt’s gedacht – aus dem Keramikwerkstoff Zirkonoxid (ZrO2). Für Technik-Geeks: Die komplexen Produktionsschritte sind in diesem techniklastigen PDF ab Seite 6 dokumentiert.
Lünette Zirkonoxid-Keramik Formex Swiss
Der Hauptvorteil von Keramik: Anders als Alu-Lünetten mit schwarzer PVD-Beschichtung sind Keramiklünetten kratzfest, robust, hitzeresistent und korrosionsbeständig – da eine Lünette der Kratzfänger Nr. 1 ist, ist der Einsatz von Keramik also äußerst sinnvoll. In diesem Artikel habe ich mich noch ausführlicher mit Keramik in der Uhrenproduktion beschäftigt.
Zirkonoxidkeramik Lünette Formex Swiss
Aber das wichtigste: Die Optik einer Keramik-Lünette ist meiner Meinung nach einfach deutlich hochwertiger als die einer (beschichteten) Aluminiumlünette. Und da wären wir bei der FORMEX Element auch schon (neben dem Gehäuse)  bei meinem zweiten Highlight: Die seitlich polierte und oben grob-matt-gebürstete Lünette sieht einfach ziemlich geil aus und unterstreicht die sportliche Optik.
Lünette aus Keramik schwarz Formex
Das weiß-polierte Ziffernblatt samt applizierter Indizes, teil-skelettierter Zeiger und einiger weniger roter Akzente, hält zwar nicht so viele optische Überraschungen parat wie das Gehäuse, setzt aber dessen makellose Verarbeitung fort:
  Formex Chrono White Dial
Weißes Ziffernblatt Formex Chronograph
Formex Dial Close Up
Für Nachteulen: Die Leuchtkraft der Zeiger und Indizes ist gegenüber dem Modell TS3100 deutlich stärker (Bild natürlich ohne Bearbeitung):
Formex Element Lumen Nightshot

Einer meiner Kritikpunkte an der FORMEX TS3100 war insbesondere das knüppelharte bzw. steife Lederband, welches erst mit einer gewissen Eintragezeit geschmeidig wurde. Selbstredend habe ich bei der FORMEX Element das Lederband besonders kritisch beäugt. Und siehe da: Das fließend in das Gehäuse übergehende schwarze Kalbslederband (erhältlich mit und ohne Krokoprägung) ist neben der sehr guten Verarbeitung zum Glück auch so geschmeidig weich, wie es sich für eine Uhr in der Preisklasse gehört.

Quelle

TEST: CARI HOLZUHR MAILAND

Die Hersteller der Uhrenwelt übertreffen sich regelmäßig bei der Auswahl der Gehäusewerkstoffe. Titan ist lange ein alter Hut, Keramik ist längst in der breiten Masse angekommen, Tantalium und Palladium werden eingesetzt. Und auch Holz.

Holz? Ein natürlicher Werkstoff für ein Uhrengehäuse? Manch Hersteller hat dieses Experiment in den letzten zwei Jahren versucht, Cari ist erst vor kurzem gestartet.

Ahorn- und Sandelholz prägen die Cari Mailand. © Thomas Gronenthal

Das junge Unternehmen sitzt in Bayern und sieht Holz als eines der wunderbarsten Materialien, das uns die Natur geschenkt hat. Es strahlt Natürlichkeit und Wärme aus, belastet den Träger nicht, und vernichtet keine Ressourcen durch die aufwendige Gewinnung von Stahl oder anderen Metallen. Zudem unterstützt Cari die Arbeit von OroVerde zur Aufforstung von Wäldern. Von jeder verkauften Uhr werden Teile des Erlöses dazu gespendet.

© Thomas Gronenthal

Ganz ohne Stahl geht es bei dem Modell Mailand aber dennoch nicht: Die wertige Doppelfaltschließe des ebenfalls aus Holz gefertigten Armbandes besteht aus Stahl, ebenso der Uhrenboden und der Abstandsring des Uhrglases. Das wiederum besteht aus künstlichem Saphir und sorgt so für besten Schutz vor Kratzern.

Das Design ist klassisch, das Gehäuse mit einem Durchmesser von 43 Millimetern rund, das Band besteht aus dreiteiligen Holzgliedern. Beim ersten haptischen Kontakt erstaunt das Gewicht: Die Uhr aus Ahornholz ist federleicht, wirklich federleicht. Ob der Größe erwartet man mehr in der Hand als die knapp über 50 Gramm. Am Handgelenk indes spielt die Uhr die vollen Vorteile des Gewichtes aus: Das Holz ist sofort körperwarm und leicht, die Uhr verschmilzt trotz des Durchmessers mit dem Arm.

© Thomas Gronenthal

Das Zifferblatt unter dem Saphirglas besteht ebenfalls aus Holz. Hier kommt schwarzes Sandelholz zum Einsatz, die Maserung ist wunderbar sichtbar. Silberne Indexe und Zeiger heben sich ausreichend ab, es ist ja keine Instrumentenuhr, die auch unter widrigen Bedingungen abgelesen werden soll. Für den Alltag reicht es völlig. Das Band hat eine Breite von 18 Millimetern und wirkt an der großen Uhr zu schmal. Zwei Millimeter mehr beim Band oder wahlweise zwei weniger beim Durchmesser täten der Optik gut.

Als Antrieb kommt ein Schweizer Ronda-Quarzuhrwerk zum Einsatz. Es ist robust und bewährt, ein Batteriewechsel ist leicht zu bewerkstelligen. Allerdings sollte die Cari Mailand dringend vor Wasser geschützt werden. Unter dem mit vier Mini-Kreuzschrauben gesicherten Boden verbirgt sich keinerlei Abdichtung. Dabei wäre es kein wesentlicher Aufwand, eine Nut zu fräsen und einen O-Ring einzulegen.

Leider findet sich überhaupt keine Abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit. © Thomas Gronenthal

Mehr als Design und Technik ist aber auch die Philosophie hinter der Holzuhr entscheidend. „Because the perfect time is now.“, so lautet der Slogan von Cari. Die Markenbotschaft setzt ein Zeichen gegen das hektische Streben unserer Zeit und für den Genuss des aktuellen Moments. Das natürliche Material ergänzt diesen Ansatz, zumal sich Cari ein Zeichen gesetzt hat: Bis 2020 sollen im Regenwald Lateinamerikas 100.000 neue Bäume gepflanzt werden. Das Ziel ist es wert, unterstützt zu werden.

Quelle