AUTOMATIKKALIBER „POWERMATIC 80“ – 80 STUNDEN AM STÜCK

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DAS AUTOMATIKKALIBER ETA C07.111, BESSER BEKANNT ALS „POWERMATIC 80“, FINDET SICH IN ARMBANDUHREN VON CERTINA UND TISSOT. HAMILTON VERBAUT EINE MODIFIZIERTE VERSION.

Zuverlässige Mechanik mit langer Gangautonomie muss nicht zwangsläufig teuer sein. Möglich machen es die Techniker und Uhrmacher des Schweizer Rohwerkegiganten ETA. Allerdings mussten sie ihren Job nicht bei Null beginnen. Mit dem ETA 2824-2 besaßen sie eine gleichermaßen robuste wie zuverlässige und auch präzise Plattform für weiterführende Arbeiten. Besagtes Automatikkaliber hatte irgendwann im Jahr 1971 nach ausgiebiger Erprobung einen Einstand gegeben.

Weder zeichnete es sich durch besondere Raffinesse noch durch bemerkenswert flache Bauweise aus. Stattdessen wartete die ETA im Angesicht der Quarz-Revolution mit einem anspruchslosen mechanischen „Arbeitstier“ auf. Seine Merkmale:

  • Durchmesser 11½ Linien oder 25,6 Millimeter
  • Bauhöhe 4,6 Millimeter
  • drei zentrale Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden
  • Datum mit Schnellschaltung
  • beidseitig wirkender Kugellagerrotor mit Klinkenrad-Wechsler
  • Stoppsekunde
  • Glucydur-Unruh mit autokompensierender Nivarox-Flachspirale
  • 28.800 Halbschwingungen pro Stunde
  • Etachron“ Exzenter-Feinregulierung für den Rücker
  • 25 funktionale Steine
  • ca. 38 Stunden Gangautonomie
ETA 2824-2 vs ETA C07.111 Powermatic 80

Links das Automatikkaliber ETA 2824-2, rechts das ETA C07.111 „Powermatic 80“

©FOTOS: ETA UND TISSOT, GRAFIK: GISBERT L. BRUNNER

Natürlich hat man bei der ETA unterdessen nicht geschlafen. Bei der vorläufig letzten Evolutionsstufe des ETA 2824 handelt es sich jedoch um eine sehr exklusive Angelegenheit. Besser bekannt ist das 2012 lancierte ETA C07.111 als „Powermatic 80“. Der Name ist Botschaft, denn er signalisiert eine beachtliche Gangautonomie von 80 Stunden für den aus 143 Bauteilen assemblierten Mikrokosmos mit nur noch 23 funktionalen Steinen.

Logischerweise können selbst die kompetentesten Ingenieure eherne Mechanik-Gesetze nicht auf den Kopf stellen. Aber mit viel Detailarbeit und einigen Kunstgriffen gelang es ihnen, die die Kraftreserven quasi zu verdoppeln. Unter anderem konsumiert der Gangregler und dort speziell die Hemmung einen großen Teil der zugeführten Energie allein für sich selbst. Schuld ist die inhärente Reibung. Selbige konnten die Techniker bei der Eta und der Schwester Nivarox-FAR durch friktionsarmes Synthetik-Material spürbar reduzieren. Die üblichen Palettensteine im Anker wurden obsolet, der Ölbedarf deutlich gemindert. Dass mit langsamerer Fahrt ein niedriger Spritkonsum einhergeht, weiß jeder Autofahrer. In diesem Sinne erfuhr die Unruhfrequenz eine Absenkung von vier auf drei Hertz. Jede Stunde vollziehen die Unruh und ihre Spirale also nur noch 21.600 Halbschwingungen. Eine erstaunlich gute Ganggenauigkeit wird durch eine neue Unruh mit variablem Trägheitsmoment erreicht. Die aktive Länge der Unruhspirale bleibt unangetastet. Den problembehafteten Rückermechanismus mit jenem „Schlüssel“, welcher auf die Spirale einwirkt, sucht man beim ETA C07.111 vergebens. Bleibt schließlich das Federhaus. Ein geringerer Durchmesser der zentralen Welle schafft Platz für eine längere Zugfeder höherer Effizienz. Das 2008 für Nivarox patentierte „Elinflex“ ist gut für zusätzliche zehn Stunden Gangautonomie.

Tissot Luxury Automatic Gent COSC

Tissot Luxury Automatc Gent COSC

©FOTOS: TISSOT, GRAFIK: GISBERT L. BRUNNER

Den besten Beleg für die Leistungsfähigkeit des „Powermatic 80“ liefert ein 15-tägiger Aufenthalt bei der Schweizer Chronometerkontrolle COSC. Das einzuhaltende Zeit-Delta zwischen täglich maximal minus vier und plus sechs Sekunden stellt für dieses Uhrwerk – Präzisions-Regulierung vorausgesetzt – kein sonderliches Problem dar. Den Beweis trat Tissot als Erstnutzer dieses Uhrwerks schon 2012 an. Die „Luxury Automatic COSC“ begleitete ein amtliches Chronometerzeugnis. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Erhältlich für 935 Euro mit Leder- und 980 Euro mit Metallband.

Tissot Chemin des Tourelles und Tissot PRS 560 Powermatic 80

links Tissot „Chemin des Tourelles Powermatic 80“,  rechts Tissot „PRS 516 Powermatic 80“.

©FOTOS: TISSOT

Aktuell gibt es bei Tissot weitere Modelle mit diesem Ausdauer-Kaliber. Sportlich und wasserdicht bis 10 bar Druck präsentiert sich die 42 Millimeter große „PRS 516 Powermatic 80“. Mit Kautschukband kostet sie 860 Euro. In die Kategorie „elegant“ fällt die Tissot „Chemin des Tourelles Powermatic 80“ für 745 Euro mit Stahlgehäuse. Die Variante mit Metallband und goldfarbener PVD-Beschichtung ist für 910 Euro wohlfeil.

Certina DS-1 Powermatic 80

Certina „DS-1 Powermatic 80“ in verschiedenen Ausführungen

©FOTOS: CERTINA

DS steht bei Certina seit 50 Jahren für Doppelte Sicherheit. Die 1888 gegründete Marke offeriert zum einen nostalgisch anmutende Standardmodelle der „DS-1 Powermatic 80“ in verschiedenen Versionen. Stahl mit Lederband 640 Euro, Stahl mit Stahlband 680 Euro und Bicolor für 785 Euro.

Certina DS-1 Powermatic 80 Himalaya Edition

Certina „DS-1 Powermatic 80 Himalaya Edition“, unten links ein Original aus den 1960-er Jahren

©FOTOS: CERTINA, GRAFIK: GISBERT L. BRUNNER

Zur Erinnerung an die 1960er Jahre, als das Originalmodell einige Bergsteiger auf ihrem Weg zu den weltweit höchsten Berggipfeln begleitete, hat Certina eine Sonder-Edition aufgelegt. Auf dem Zifferblatt und der Krone findet sich das historische „Doppel-C“-Logo. Auf dem Sichtboden findet sich eine Gravur des Bergpanoramas mit der Inschrift „Dhaulagiri, 8167 m, 1960“. Diese Edelstahl-Uhren sind nicht limitiert. Sie kosten mit Lederband 690 Euro oder mit Stahlband 720 Euro. Die Wasserdichte reicht bei allen DS-1-Modellen bis zu zehn bar Druck.

Hamilton Khaki Field Auto und Hamilton Pan-Europ Day-Date

links: Hamilton „Khaki Field Auto“, rechts:  Hamilton „Pan-Europ Day-Date“

©FOTOS: HAMILTON, GRAFIK: GISBERT L. BRUNNER

Dritter im Weiterentwicklungs-Bund des ETA 2824-2 ist Hamilton. Dieses Swatch-Group-Mitglied legt aber ausdrücklichen Wert auf die Feststellung, dass sein Kaliber H-10 zwar grundsätzlich über die gleichen Eigenschaften, aber nicht über Kunststoff-Komponenten verfügt, sondern konventioneller Bauweise gehorcht. Daher besitzt dieses Automatikwerk mit 80 Stunden Gangautonomie auch wieder 25 funktionale Steine. Es findet sich beispielsweise in der stählernen „Khaki Field Auto“ im Fliegeruhren-Look, Preis 695 Euro. Die Schwester H-30 mit Datums- und Wochentagsindikation basiert auf dem Automatikkaliber Eta 2834-2. Es beseelt unter anderem die „Pan-Europ Day-Date“ für 995 Euro.

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