Smartwatches eine Gefahr für schweizer Uhren?

Quelle

Auch dieses Jahr waren die smarten Wearables (also, schlaue, tragbare Geräte) wieder einer der großen Trends der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Besonders auffällig ist die große Anzahl neuer Smartwatch-Modelle, die auf der größten Messe für Unterhaltungselektronik in Deutschland vorgestellt wurden. Die Uhren entwickeln sich weiter: Sie werden schöner, schneller und günstiger. Bisher begegnen viele Verbraucher den schlauen Begleitern dennoch mit gehöriger Skepsis. Der Nachdruck, mit dem Samsung, Apple, Motorola & Co. die Smartwatches im Markt platzieren und weiterentwickeln, macht eines jedoch unmissverständlich klar: früher oder später werden mehr und mehr Leute ein leuchtendes Display am Handgelenk tragen. Was bei näherer Betrachtung der Fülle an Smartwatch-Herstellern deutlich wird ist, dass die traditionellen Platzhirsche der Uhrenbranche gänzlich fehlen. Die Schweizer Manufakturen, welche im letzten Jahrhundert die mechanische Uhr perfektioniert und zu einer weltweit anerkannten Wertanlage geformt haben, finden im neuen Markt nicht statt. „Die Schweizer Uhrenbranche hat eine gewisse Reorganisation vor sich”, sagt daher Oliver Ebstein, Eigentümer der Firma Chronoswiss. Zusätzlicher Druck entsteht für Unternehmen wir Rolex oder Patek Philippe durch die schwachen Absatzzahlen in den Wachstumsmärkten Russland und China sowie die Entkoppelung des Franken vom Euro, welche eine Preissteigerung um 7% in den europäischen Nachbarländern verursacht hat.

Schon einmal kam es in der Vergangenheit zu einem kollektiven Verschlafen neuer Trends durch die Schweizer Uhrenhersteller. In den 1970er Jahren verursachte die sogenannte Quarzkrise tiefe Einschnitte bei den Alteingesessenen. Die Zahl der Angestellten sank um zwei Drittel und viele Akteure verschwanden vom Markt. Japanische Quarzuhren-Hersteller überfluteten den Markt mit funktional gleichwertigen aber günstigeren Modellen. Die Eidgenossen reagierten zum einen mit der Entwicklung der günstigen Swatch und zum anderen mit dem verstärkten Einsatz des Begriffs “Swiss Made” als imagefördernden und Werthaltigkeit suggerierenden Slogan. Heute sind hochwertige Schweizer Uhrwerke, unabhängig von ihrer Funktion als reiner Zeitmesser, Statussymbol, Wertanlage und Kunstobjekt zugleich und die Branche verzeichnete 2014 ein Rekordjahr.

Nun steht die Branche also möglicherweise vor einer neuen Revolution und die etablierten Akteure bemühen sich, die Entstehung des Begriffs “Smartwatch-Krise” zu verhindern. So hat die Firma Tag Heuer im März 2015 auf der Baselworld, der wichtigsten Uhrenmesse der Welt, eine Kooperation mit Google und Intel angekündigt. Eine Uhr gab es dabei noch nicht zu bestaunen. Weitere führende Schweizer Hersteller wollen auf den Smartwatch-Zug aufspringen. Swatch, Breitling, Montblanc und Frederique Constant entwickeln Modelle. Konkret ist bisher wenig.

Bisher bestätigen diese Entwicklungen nur eins, die Schweizer Uhrmacher wollen ein Stück vom neu entstandenen Kuchen für sich beanspruchen. Wie groß dieser Kuchen ist und wer das Rennen macht, ist absolut unklar und gerade aus Sicht der Hersteller im Luxussegment haben Smartwatches eine entscheidende Schwäche: Die Innovationsrate im Markt der Unterhaltungselektronik ist um ein vielfaches Höher als der im Bereich der mechanischen Uhrwerke. Eine Wertbeständigkeit von Smartwatches ist im Gegensatz zu hochwertigen klassischen Uhren, kaum zu erwarten. Das Verbraucherverhalten bei Smartwatches wird sich ähnlich wie bei Mobiltelefonen entwickeln. Spätestens nach drei Jahren wollen Kunden etwas Neues, Schnelleres und Besseres. Schweizer Uhrmacherkunst hingegen, steht für generationenübergreifende Wertbeständigkeit, ja häufig sogar für substanzielle Wertsteigerungen. „Die Technologie von Smartwatches ist rasend schnell überholt, daher sind sie zwar nettes Spielzeug, aber doch keine echte Konkurrenz auf dem Markt für Luxusuhren”, sagt Elisa Von Schubert, Bewertungsexpertin von Valendo, „zusätzlich ist beispielsweise der Goldanteil in der High-End Variante der Apple-Watch geringer als der Preis suggeriert. Hier von einer Wertanlage zu sprechen wäre vermessen. Jene Uhren, die in stundenlanger Handarbeit und unter Einsatz hochwertigster Materialien gefertigt werden, besitzen hingegen alle Eigenschaften einer Wertanlage und sind nicht nur wunderschön, sondern häufig auch ein lohnendes Investment. Deswegen können Sie bei Valendo im Gegensatz zu Ihren digitalen Artgenossen beliehen werden.” Den Spagat zwischen Tradition und Innovation erfolgreich zu gestalten, wird die große Herausforderung für die Schweizer Uhrenbranche.

Quelle